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Land & Leute

30
Jan2015

Pablo Escobar – Verbrechen! Vermögen! Volksheld?

Pablo Escobar – Verbrechen! Vermögen! Volksheld? reise-nach-kolumbien.de - Eine Grafik des Künstlerkollektivs Toxicómano Callejero

Pablo Escobar ist ohne Zweifel einer der größten Kriminellen des vergangenen Jahrhunderts. Der skrupellose Drogenbaron aus Kolumbien entwickelte die industrielle Produktion von Kokain, schreckte nicht vor brutaler Gewalt zurück und machte sich bei den Armen beliebt – und obendrein brachte er das Nilpferd nach Kolumbien.

„El Patrón“, wie Pablo Escobar von seinen Anhängern – und die gibt es bis heute, gut 20 Jahre nach seinem Tod – genannt wird, wollte reich werden. Möglichst schnell, egal wie. Daraus machte der 1949 in Rionegro in der Nähe Medellíns geborene Escobar nie einen Hehl. Auch seine Drogenkarriere begann früh: Mit 13 Jahren hatte er begonnen, Marihuana zu rauchen, hatte viel Zeit im Rotlichtviertel Medellíns verbracht, wo er rasch mit Unterweltgrößen in Kontakt kam. So begann er, mit Marihuana und geschmuggelten Zigaretten zu handeln und besaß bereits damals Feuerwaffen. Im Alter von 20 Jahren folgten Autodiebstähle und kurz darauf begann er sogar, wohlhabende Bürger zu entführen, um Lösegelder zu erpressen. Häufig tötete er die Entführten trotz erfolgter Lösegeldzahlung. Einfach nur, um seine Macht und Unbarmherzigkeit zu demonstrieren.

Escobars Entwicklung zum „Schneekönig“

Mit der weltweit zunehmenden Beliebtheit der Modedroge Kokain in den 1970ern schaffte es auch Pablo Emilio Escobar Gaviria, wie der Drogenbaron mit vollem Namen hieß, immer weiter aufzusteigen und zunächst tatsächlich zum Millionär zu werden. Die Verdienstmöglichkeiten durch den Kokainhandel waren um ein vielfaches höher als jene mit geschmuggeltem Marihuana. Escobar hatte dies – geschäftstüchtig wie er war – als einer der ersten erkannt und eroberte durch seine Skrupellosigkeit und Gewaltbereitschaft schnell die Führungsrolle innerhalb des Kokainhandels Kolumbiens.

Durch Morddrohungen an Richter und Polizisten (Escobar ließ insgesamt 30 Richter und über 400 Polizisten tatsächlich töten), Einschüchterung und Bestechung schuf er so ein Drogen-Imperium, das ihn bis Ende 1980er Jahre zum siebtreichsten Menschen der Welt (Forbes Magazin) machte. Aber auch geschickte Strategien und gute Ideen wie der Drogenschmuggel in die USA mit kleinen Sportflugzeugen und ferngesteuerten Mini-U-Booten – am Ende hatte er gar eine umgebaute Boeing 727 zum Drogentransport, die 10 Tonnen Kokain auf einmal transportieren konnte – trugen zu diesem Erfolg bei. In den 1980er Jahren war er der erfolgreichste Kokain-Händler der Welt, er kontrollierte 80 Prozent des weltweiten Handels. In seinem riesigen Kokain-Labor  in Tranquilandia gab es 19 Kokainküchen die eine jährliche Produktionskapazität von über 300 Tonnen reines Kokain hatten. Alleine dort arbeiteten mehr als tausend Personen für ihn und das Kokain wurde von mehreren Startbahnen direkt in andere Länder wie in die USA ausgeflogen. In den Staaten konnte er das Pulver dreimal so teuer weiterverkaufen, wie in Kolumbien. Wenn es dort noch gestreckt wurde, stieg der Gewinn für Escobar noch um ein vielfaches.

Sein Unternehmergeist und sein Einfallsreichtum, sich vor Strafverfolgung zu schützen, gingen aber auch über bloße Gewalttaten hinaus. So erkaufte er sich auch die Liebe der Medellíner Bevölkerung, indem er ein ganzes Stadtviertel – natürlich nach ihm selbst benannt – für Obdachlose erbaute. Im Barrio Pablo Escobar erfreut sich der Pate noch heute großer Sympathien. Zudem gab er in seiner Heimatstadt eine Zeitung („Medellín Cívico“) heraus, die auch dazu gedacht war, seine Person zu glorifizieren. Doch damit nicht genug der hochtrabenden Pläne: 1978 ließ sich Pablo Escobar als Abgeordneter in den Medellíner Stadtrat wählen und erlangte so zunächst einmal politische Immunität, den Diplomatenstatus und dadurch auch Reisefreiheit und Schutz vor Strafverfolgung. Da er den Handel kontrollierte und ein gewiefter Gauner war, hatte sich Pablo Escobar durch großzügige Gesten ohnehin schon den Schutz der Pflanzer, Kokain-Erzeuger und der Verteiler erkauft. Er errichtete sich zudem eine eigene Schutzmiliz (MAS-Miliz) und zog 1982 als Abgeordneter sogar  in den kolumbianischen Kongress ein – seine wohltätigen Aktionen wie die Finanzierung von Krankenhäusern, Sozialwohnungen und Schulen hatten ihm im Volk den Beinamen „Robin Hood“ eingebracht. Er war auf dem Höhepunkt seiner Popularität und dachte sogar daran, irgendwann einmal Präsident Kolumbiens zu werden. Die Gründung der MAS-Miliz gilt im Übrigen als Startpunkt des Medellín-Kartells, das Kongress-Mandat jedoch musste er aufgrund der zahlreichen Beschuldigungen gegen ihn alsbald wieder niederlegen.

Vermögen - Wie reich war Pablo Escobar

Über Pablo Escobars Vermögen heißt es, dass das Geld im Hause Escobar nicht gezählt, sondern gewogen wurde. Das Vermögen, das er sich tatsächlich mit seinen Drogengeschäften ergaunert hatte, belief sich im Jahr 1989 auf 2,7 Milliarden US-Dollar. Escobar hatte dieses Vermögen zum Teil in Landbesitz und Immobilien in Kolumbien und den USA investiert. Seine „Hacienda Nápoles“ (wie hätte er als Fan der Camorra sein Häuschen auch anders benennen können?) bei Puerto Triunfo am Rio Magdalena war sein prunkvoller Stammsitz. Dort gab es neben einem Hubschrauberlandeplatz sogar einen eigenen Flugplatz. Dazu ließ er sich eine Stierkampfarena und künstliche Seen zum Wasserskifahren errichten. Das Anwesen verfügte über sechs Swimming-Pools, Schlafräume für über 100 Personen und ein Straßennetz, das die wichtigsten Punkte miteinander verband. Den Eingang zur Hacienda Nápoles schmückte ein kleines Sportflugzeug – das den Start seiner Karriere als Drogenbaron symbolisieren sollte. 

Escobar und die Nilpferde

Die oben aufgeführten Ausdrücke Pablo Escobars Größenwahn wurden von seinem Privatzoo noch übertroffen, den er sich auf der Hacienda Nápoles hatte einrichten lassen: Strauße, Gazellen, Kamele, Büffel, Zebras und sogar Nashörner, Flusspferde, Löwen und Elefanten hatte er sich dorthin einfliegen lassen. Nach seinem Tod wurde der Zoo aufgelöst. Nur die vier Nilpferde waren zurückgelassen worden, da die Bedingungen für sie dort als gut erachtet wurden. Zu gut, wie sich inzwischen herausgestellt hat, denn die afrikanischen Tiere haben sich seither eifrig vermehrt und übervölkern inzwischen auch den großen Rio Magdalena. Die Flusspferde sind zu einer Art Plage geworden und die Sorge ist derzeit groß, dass diese noch weiter anwächst und die Hippo-Horde womöglich sogar zur Bedrohung für die Randgebiete der Millionenstadt Medellín werden könnte.

Die Nilpferde in Kolumbien sind nur eine der Spuren, die Escobar hinterlassen hat. Bis heute verdankt Kolumbien Pablo Escobar seinen zweifelhaften Ruf als „Narco-Republik“ (Drogenrepublik), obwohl das Land damals den Kartellen die Stirn geboten hat. Seine Spuren sind bis heute aber vor allem in Medellín deutlich sichtbar. So hat neben Escobars Stadtviertel der Fußball-Club und inzwischen mehrfache kolumbianische Meister Atlético Nacional seinen Aufstieg und Erfolg der finanziellen Förderung Escobars zu verdanken.

Zitat Pablo Escobars: "Lieber ein Grab in Kolumbien als eine Zelle in den USA"

Inzwischen erholen sich Medellín und ganz Kolumbien aber von ihrer Vergangenheit – sowohl vom Bürger- als auch vom Drogenkrieg. Kolumbiens Regierung hat die Drogenkartelle weitgehend im Griff und setzt nach einer zunächst harten Linie gegen die Guerilleros inzwischen auf Friedensgespräche mit Rebellengruppen wie FARC und Co. Escobars Heimatstadt, damals die gefährlichste Stadt der Welt, setzt wiederum auf Bildung und Investitionen. Escobars Tod war gewissermaßen der Anfang für ein neues Medellín. Der Lohn dafür: 2012 wurde Medellín vom Wall Street Journal zur innovativsten Stadt der Welt gewählt.

Escobars grausamer Ehrgeiz – Der Anfang vom Ende

Pablo Escobars immerwährender Ehrgeiz, so erfolgreich wie möglich zu sein und zwischenzeitlich sogar in die große Politik zu wollen, brachte ihm mit der Zeit natürlich auch immer mehr Ärger und immer größere Feinde ein. So erklärte ihn der damalige US-Präsident Goerge Bush zum Staatsfeind Nummer Eins. Mit dem von Escobar eingeführten Prinzip „plata o plomo“ (Silber oder Blei – was so viel bedeutet wie: entweder man lässt sich bestechen oder man stirbt) entgingen er selbst und viele seiner Verbrecherkollegen aber lange Zeit den Haftstrafen und anderen Repressionen. Im April 1984 jedoch wurde sein Drogenlabor in Tranquilandia auf Initiative des damaligen kolumbianischen Justizministers Rodrigo Lara Bonilla zerstört. Ab diesem Zeitpunkt wendete sich das Blatt und Escobar begann, einen regelrechten Krieg gegen die kolumbianischen Behörden zu führen. So ließ er zunächst Justizminister Lara Bonilla von zwei seiner Killer töten. Zahlreiche Entführungen, grausame Bombenattentate und Morde folgten. Kritische Journalisten, Richter, Politiker, Polizisten fielen Escobars Gewalt ab diesem Zeitpunkt reihenweise zum Opfer.

Escobar gegen den Rest der Welt

Populärsters Opfer Escobars aber war Luis Carlos Galán – Volksheld Kolumbiens (rechts eine Statue Galáns in Bogotá). Der aussichtsreiche Präsidentschaftskandidat und erbitterte Gegner des Drogenterrors Escobars und des Kartells ließ sich von sämtlichen Drohungen nicht einschüchtern. Er wurde 1989 bei einer Wahlkampfveranstaltung niedergeschossen. Drei Monate darauf verübte Escobars Entourage einen Bombenanschlag auf ein kolumbianisches Passagierflugzeug, in dem Galáns Nachfolger César Gaviria vermutet wurde. Dabei kamen 110 Menschen ums Leben – Gaviria selbst war jedoch nicht an Bord, er wurde ein Jahr später kolumbianischer Präsident und setzte Galáns Kampf gegen den Drogenboss fort.

In der Folge entwickelte sich eine breite Front gegen Escobar. Neben dem „Bloque de Busqueda“, einer US/kolumbianischen Sondereinheit, bildeten auch Kriminelle wie das Cali-Kartell Gruppierungen, die es auf „El Patron“ abgesehen hatten. Dennoch schaffte dieser es mit Drohungen, Gewalt und seinem Geld noch, die kolumbianische Verfassung so ändern zu lassen, dass fortan kein Kolumbianer mehr für ein Verbrechen im Inland an ein anderes Land ausgeliefert werden konnte – getreu seinem Motto: „Lieber ein Grab in Kolumbien als eine Zelle in den USA“. Im Anschluss daran handelte er noch die Bedingungen aus, für den Fall, dass er sich der Justiz stelle. Die kolumbianische Regierung baute ihm daraufhin ein Gefängnis, das seinen Vorstellungen entsprach und so stellte er sich.

Einmal abgesehen davon, dass Escobar gar nicht erst lange in diesem Gefängnis blieb – er floh gut ein Jahr nach seinem „Einzug“ bereits wieder – verfügte der Knast mit dem bezeichnenden Namen „La Catedral“ über Büroräumlichkeiten, Fitnessstudio, Disko und luxuriöse Schlaf- und Billardzimmer für Pablo Escobar. Neben Prostituierten empfing er dort auch Spieler der kolumbianischen Nationalmannschaft wie René Higuita, machte Geschäfte und zeigte der Regierung so noch immer, zu was er in der Lage war. Bis zu seinem Todestag am 2. Dezember 1993 war Escobar in der Folge auf der Flucht und schaffte es, sich 16 Monate lang gut zu verstecken.

Sicherlich erhielt er dabei auch Unterstützung vom Volk. „El Patron“ ist bis heute in großen Teilen der Bevölkerung beliebt und wird sogar verehrt. Für die einen war er ein guter Mensch, für die anderen das personifizierte Böse – etwas dazwischen scheint es in der Beurteilung seiner Person nicht zu geben. Wer Escobar und sein Treiben aber verstehen will und noch immer glaubt, er sei so etwas wie ein moderner Robin Hood, dem seien an dieser Stelle noch einige Vorkommnisse an die Hand gegeben. So fanden auf seiner Hacienda Nápoles zahlreiche Hinrichtungen statt – zur „Unterhaltung“ von Escobars Gästen. Unter anderem wurde ein Arbeiter, der Escobar bestohlen hatte, an Händen und Füßen gefesselt und in einem Swimming Pool ertränkt. Auch Frauen, mit denen Pablo Escobar ein Verhältnis hatte und die schwanger von ihm wurden, ließ er von Auftragskillern wie seinem eifrigsten Schergen „Popeye“ töten. Dabei hatte Pablo Escobar eigentlich eine sehr glückliche Ehe geführt – zumindest nach eigener Aussage. Seine Ehefrau Victoria war 15, als er sie 1976 geheiratet hatte. Zwei Kinder bekamen die beiden, Juan Pablo und Manuela, die er abgöttisch liebte. So kam es auch, dass ihn letztlich ein langes Telefonat mit seiner Familie überführte und die Ermittler sein Versteck im Medellíner Stadtteil Los Olivos aufspüren konnten (Hier: Warum Frankfurt a.M. dabei eine ganz besondere Rolle spielt). Als er die Soldaten kommen hörte floh der zu diesem Zeitpunkt 44-jährige Escobar durch das Fenster auf ein Dach, auf dem er schließlich von einer US-amerikanisch-kolumbianischen Eliteeinheit mit drei Kugeln getötet wurde.

Pablo Escobar wurde in Medellín begraben. Zu seiner Beerdigung strömten rund 20.000 Anhänger. Zur Beerdigung von Luis Carlos Galán waren über 1 Millionen Kolumbianer gekommen.

 

Literatur und Filme zu Pablo Escobar:

„Amando a Pablo, odiando a Escobar“ (Pablo lieben, Escobar hassen) – Escobars ehemalige Geliebte Virgina Vallejo, damals Kolumbiens bekannteste Fernsehjournalistin, schrieb dieses Buch.

„Pecados de mi Padre“ (Die Sünden meines Vaters) – Dokumentarfilm von Nicolas Entel aus dem Jahr 2009 über das Leben der Familie Escobar nach Pablo Escobars Tod. Escobar Junior (Juan Pablo) lebt seit 1994 mit seiner Mutter und einer Schwester in Argentinien. Er hat seinen Namen in Sebastián Marroquín geändert und bittet in dem Dokumentarfilm die Familien der Opfer seines Vaters um Vergebung. Heute verkauft er T-Shirts mit dem Konterfei seines Vaters…(Den Film hier ansehen)

Pablo Escobar: Patron Del Mal – 113-teilige kolumbianische Telenovela über Escobars Leben. „Richtig guter Stoff“ urteilte die SZ.

Killing Pablo: Die Jagd auf Pablo Escobar, Kolumbiens Drogenbaron – Buch von Mark Bowden

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