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Land & Leute

16
Mär2014
Luis Carlos Galán - Kolumbiens politischer Held reise-nach-kolumbien.de

Jede schwere Zeit erfordert ihre politischen Helden. Der kolumbianische Präsidentschaftskandidat Luis Carlos Galán Sarmiento war einer. Seinen Kampf gegen das Drogenkartell in Medellín focht er bis zum Tod.

Manches bedeutende Leben erklärt sich nicht durch das Denken allein. Wichtiger sind die Taten, die einer im Angesicht des Todes vollbringt. Der Journalist und Poilitiker Luis Carlos Galán war ein Macher im positiven Sinn, ein Ausdruck, den der Altkanzler Helmut Schmidt heute noch gern für sich in Anspruch nimmt. Genau wie Schmidt unterschied Galán nicht zwischen seinem Privatleben und den öffentlich verkündeten Grundsätzen. Anders als der Altkanzler gab sich der Kolumbianer aber nicht gewollt reserviert. Kühl blieb höchstens sein Kopf, während der Charismatiker viele Kolumbianer für seine Ideen entflammte.

Die Anfangsjahre von Luis Carlos Galán

Geboren wurde Luis Carlos Galán am 29. September 1943 in Bucaramanga, Santander, in Kolumbien. Die Politik war ihm sozusagen in die Wiege gelegt, da sein Vater Mario Galán Gómez und einige Verwandte politisch tätig waren. Früh zogen die Eltern nach Bogotá, wo der Sohn eine gute Schulerziehung genoss. Bereits mit 14 Jahren demonstrierte er gegen das Militärregime des damaligen Präsidenten Gustavo Rojas Pinilla. Später promovierte er in Wirtschaft und Recht über die wirtschaftliche Integration Lateinamerikas und übernahm einen Posten bei der kolumbianischen Zeitung "El Tiempo" als Wirtschaftsjournalist, wo er zusammen mit Enrique Santos Calderón und Daniel Samper die "drei Musketiere" bildete, eine kämpferische Gruppe von Journalisten. Bereits während dieser Zeit sprach sich der Kolumbianer vehement gegen die politische Vetternwirtschaft und den Verfall moralischer und gesellschaftlicher Werte in Kolumbien aus. Auch die aufkommenden Drogengeschäfte thematisierte er.

Politik als Berufung

Parallel verfolgte er seine politische Karriere konsequent weiter. Als Galán 26 Jahre war, machte ihn Präsident Misael Pastrana 1970 zum Minister für Erziehung, ein Amt, das er mit großem Erfolg zwei Jahre führte. Nach verschiedenen politischen Ämtern im In- und Ausland, u.a. als Wahlkampfhelfer von Carlos Lleras Restrepo und Senator für den Bezirk Santander, gründete Galán 1979 eine eigene Partei "Nuevo Liberalismo" und trat einige Zeit später als Präsidentschaftskandidat an. Zum Grundsatz seines Programm machte er eine friedliche Reform der Liberalen Partei. Nach Jahrzehnten des Wirkens sah er die Liberale Partei in einer Identitätskrise, in der die Parteianhänger nur noch für ihre eigenen Ziele kämpften und die Anliegen des Volks aus den Augen verloren hätten. Wie Präsident Jorge Eliécer Gaitán vor ihm wollte er der Liberalen Partei einen anderen Kurs geben. Als Ziel seiner neuen Partei sah er vor, die nationale Unabhängigkeit zu stärken. Infolgedessen sollte sich auch die Strukur der internationalen Beziehungen ändern. Er wollte die regionalen Vereinigungen und Kleinunternehmer unterstützen, hin zu mehr Föderalismus in der Wirtschaft und gegen die Monopolisten und Oligarchen. Der Agrarsektor sollte reformiert, der Industriesektor erweitert werden. Konkret sollte auch die öffentliche Verwaltung erneuert und der Justizapparat reformiert werden. Allgemein sprach er sich gegen die Korruption in der Politik aus. Auch der Umweltschutz und die allgemeine Gesundheitsversorgung waren Themen. Als ehemaliger Journalist war es ihm wichtig, die Medien als unabhängige Vierte Gewalt im Staat zu stärken. Daraus resultierte auch seine Zusammenarbeit mit der kolumbianischen Zeitung "El Espectador", als es darum ging gegen das Medellín-Kartell anzukämpfen.

Leben in den Zeiten der Koka-Ära

Galans Grab in BogotaGalán gründete die Partei "Nuevo Liberalismo" in einer Zeit, als die einflussreichen Drogenhändler in Medellín ihr Geschäft international auszuweiten begannen. Nachdem der Politiker herausgefunden hatte, dass sich der Drogenhändler Pablo Escobar seiner Partei angeschlossen hatte, um selbst politisch Karriere zu machen, stellte ihn Galán in einer öffentlichen Rede bloß. Zusammen mit seinem politischen Weggefährten, dem damaligen Justizminister Rodrigo Lara Bonilla, bekämpfte Galán die Machenschaften des Medellín-Kartells, wofür Lara Bonilla 1984 mit dem Leben bezahlte. Wissend, dass ihn das gleiche Schicksal ereilen kann, setzte Galán seinen harten Kurs gegen das Kartell fort. Am 18. August 1989 wurde der Präsidentschaftskandidat bei einer öffentlichen Rede in Soacha, Cundinamarca, im Auftrag von Pablo Escobar erschossen. Rettungsversuche blieben erfolglos. Galán erlag noch am selben Tag seinen Verletzungen. Das Begräbnis begleiteten mehr als eine Million Menschen.

Sein Parteikollege Alberto Santofimio Botero, dem Galán als Gegner schon lange ein Dorn im Auge war, hatte Pablo Escobar in seinem Tun bekräftigt. Santofimio wurde erst 2007 zu 24 Jahren Haft für seine Mittäterschaft verurteilt, ein Urteil, das 2011 erneut bekräftigt wurde. Auch der ehemalige Chef des Inlandsgeheimdienstes DAS, General Miguel Maza Márquez, steht im Verdacht, in das Attentat involviert gewesen zu sein. Er wechselte kurz vor der Rede die Leibwächter von Galán, was nachweislich das Attentat erleichterte. Nach der Ermordung Galans ging die kolumbianische Regierung zusammen mit der DEA, der US-amerikanischen Drogenbekämpfungsbehörde, zum ersten Mal massiv gegen die Drogenbosse in Medellín vor. Daraus resultierte der "Narcoterrorismo", da das Medellín-Kartell mit brutalen Anschlägen antwortete und Kolumbien für Jahre in Angst und Schrecken versetzte. Der blutige Kampf mit dem Kartell kam erst 1993 zur Ruhe, als Pablo Escobar ermordet wurde. Davon profitierte später das Cali-Kartell, eine weitere Vereinigung von kolumbianischen Drogenbossen in Cali.

Galán als Vorbild

Unvergessen für viele Kolumbianer sind Galáns flammende Reden, sein charismatisches Auftreten, seine Integrität. Ein Wahlkampfplakat der damaligen Zeit zeigt ihn in der Pose des Freiheitskämpfers: „Hasta la victoria siempre. Patria o muerte.“ Immer bis zum Sieg. Vaterland oder Tod. Che Guevaras Losung war Galáns Grundsatz, wenn auch die politische Haltung eine andere war. Durch seine Volksnähe, seinen Gerechtigkeitssinn und seine Tatkraft ("Nie einen Schritt zurück, immer voran!") stellte Galán für viele ein Vorbild dar und er bleibt es bis heute.

Leben heißt Kämpfen für sein Volk

Luis Carlos Galán orientierte sein Handeln an philosophischen Vorbildern und Idealen. Gedanklich beeinflusste ihn der Philosoph und Schriftsteller Nikos Kazantzakis. In seinem Werk "Alexis Sorbas" heißt es: "Vielleicht retten wir sie nicht", fuhr er fort. "Aber wir retten uns selbst, wenn wir uns bemühen, sie zu retten. (...) 'Die einzige Methode, sich selbst zu retten, besteht in der Bemühung um andere'" ... besteht in der Bemühung um das eigene Volk, bis zum Tod, so ließe sich im Fall von Luis Carlos Galán hinzufügen. Eine vita activa im Wortsinn, die dem christlichen Ideal, in tätiger Nächstenliebe zu leben, in nichts nachsteht.

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